Veröffentlicht:24.10.2025, 06:38 im Nordkurier, Heike Sommer
https://www.nordkurier.de/regional/neustrelitz/schmierereien-in-der-seenplatte-war-es-eine-weltbekannte-graffiti-gruppe-4037580
Rätselhafte Zeichen sind über Nacht in Weisdin an Wänden, auf Schildern, an Umschaltkästen und Bushaltestellen aufgetaucht. Sie sorgen nicht nur für Kopfschütteln bei den Einwohnern des Orts an der B96 zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz, sondern auch für eine Menge Ärger. In dicken Lettern haben Unbekannte eine Botschaft aus zwei Buchstaben und einer Zahl hinterlassen, mit der im Ort wohl niemand etwas anfangen kann. „1UP“ verdeckt jetzt den Busfahrplan und die Badeordnung, prangt auf allen Bushaltestellen, den Trafo- und Umschaltkästen und der Gemeindeschautafel.
Viele Anrufe beim Bürgermeister
„Wer macht denn sowas?“ – diese Frage stellt sich nicht nur Bürgermeister Mikel Mahn. „Ich habe schon etliche Anrufe dazu bekommen. Das regt die Leute auf“, sagt er. Der Grund für ihren Ärger könnte dabei seinen Ursprung mehr als 100 Kilometer südlich haben: „1UP“ steht in der Graffiti-Szene für „One United Power“ (deutsch: eine vereinte Kraft), eine der größten Sprüher-Crews mit Sitz in Berlin-Kreuzberg. Sie hat sich auf großangelegte, waghalsige Sprayer-Aktionen auf der ganzen Welt spezialisiert, zumeist werden dabei Züge, Dächer und Balkone großflächig mit dem Logo oder Schriftzügen besprüht.
Haben sich Großstadt-Vandalen jetzt also in einem Dorf in der Seenplatte ausgetobt? Die Schmierereien in Weisdin sehen allerdings eher nach einem Plagiat aus: Die verwendeten Buchstaben und Ziffern stimmen zwar überein, die Linienführung ist jedoch im Vergleich zum Original eine deutlich andere.
Aber ob echt oder falsch: Die Weisdiner haben den Schaden. Den beziffert Bürgermeister Mikel Mahn auf 2000 Euro. „Einiges wird unser Gemeindearbeiter wohl entfernen können“, sagt er, „aber die meisten Schilder müssen ersetzt werden“.
Anzeige gegen unbekannt erstattet
Der Fall sei umso ärgerlicher, als dass tags zuvor viele freiwillige Helfer den Friedhof im Dorf hergerichtet haben. „Wir haben uns gefreut, dass sich so viele Menschen an der Aktion beteiligt haben. Ohne diese Hilfe wäre es kaum möglich, den Friedhof zu erhalten. Das wäre viel zu teuer“, sagt er.
Und dann begegnet man am Morgen darauf den „1UP“-Schmierereien – das sorgt natürlich nicht gerade für gute Laune. Auf solche überflüssigen Reinigungskosten würde die Gemeinde Blumenholz – zu der Weisdin gehört – liebend gerne verzichten. Die Gemeinde hat jetzt Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattet.