Wenn Seen und Löschteiche austrocknen, können sie von Feuerwehren nicht mehr genutzt werden. Doch die Brandschützer sehen eine Alternative.
Der Blick auf die Karte zeigt: Die Gemeinde Blumenholz ist mit Seen reich gesegnet. Langer See, Mittelsee und Mürtzsee ziehen sich wie eine Kette von Süd nach Nord. Flankiert werden sie von Krebssee, Kalksee und Schulzensee. Die Badestellen sind nicht nur bei Anwohnern beliebt. Im Sommer kommen auch viele Menschen aus Neustrelitz vorbei, um sich nach Feierabend zu erfrischen oder am Wochenende einen Tag am Strand zu verbringen.
Mit Sorge beobachtet die Gemeinde aber die Entwicklung bei den Wasserständen. Sie zeigt in den vergangenen Jahren fast nur noch eine Richtung. „Unsere Seen verlieren Wasser“, sagt Bürgermeister Mikel Mahn. Im Bericht der Gemeindevertretung liest sich das dann so: „Der Wasserrückgang wird auf den defizitären Wasserhaushalt in Blumenholz zurückgeführt, zusätzlich zu den geringen Niederschlagsmengen der vergangenen Jahre.“
Keiner der Seen wird aktiv über den Wasser- und Bodenzweckverband bewirtschaftet. Der Wasserstand reguliert sich über das Grundwasser und möglichen Niederschlag. „Defizitärer Wasserverbrauch heißt, es wird mehr verbraucht als nachfließt. Der höhere Verbrauch kommt durch den verstärkten Bewuchs zustande“, sagt Tony Hauk vom Wasser- und Bodenverband. Am deutlichsten sei dies am Schulzensee zu beobachten. Das zwei Hektar große Gewässer ist mittlerweile komplett von Röhricht umschlossen, das sich immer mehr zur Seemitte ausbreitet.
Höhere Temperaturen beschleunigten das Wachstum und damit den Wasserverbrauch der Pflanzen. „In flachen Gewässern wie dem Schulzensee erwärmt sich das Wasser schneller, was den Bewuchs ebenso begünstigt wie die Verdunstung“, sagt Hauk.
Ein Blick in den Hydrologischen Bericht des Staatliches Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Mecklenburgische Seenplatte zeigt zudem: Der Lange See bei Weisdin lag im ganzen Jahr 2024 – es war ein relativ feuchtes Jahr – Monat für Monat zwischen 60 und 30 Zentimeter unter den langjährigen Mittelpegelständen. Es kommt schlichtweg nicht mehr genug Schichtenwasser an.
ie Gemeinde muss sich auf die sinkenden Wasserstände einrichten. Vor allem für die Feuerwehr, die die offenen Gewässer als Löschwasserquelle nutzt, wird das zunehmend zum Problem. „Der Schulzensee kann als Löschwasserteich nicht mehr genutzt werden. Wir kommen mit unserem Fahrzeug und den Schläuchen nicht mehr ans Wasser“, sagt Gemeindewehrleiter Felix Birkholz. Auch an anderen Entnahmestellen werde es immer schwieriger für die Feuerwehr, sich mit Wasser zu versorgen.
Die Gemeinden müssen sicherstellen, dass eine Löschwasserquelle nicht weiter als 300 Meter von bebauten Flächen entfernt ist. Darüber hinaus müssen aus diesen Quellen pro Stunde wenigstens 48 Kubikmeter Wasser sprudeln können – und das mindestens über die Dauer von zwei Stunden. Während andere Gemeinden sich Zisternen zulegen oder die verlandeten Dorfteiche ausbaggern, will man in Blumenholz einen anderen Weg gehen. „Die Dorfteiche in Usadel und Ehrenhof würden ganz schnell wieder zuwachsen. Das wäre keine langfristige Lösung, sondern ein Fass ohne Boden. Und Zisternen sind sehr teuer“, sagt Felix Birkholz.
Aus Sicht der Feuerwehr wäre es sinnvoller, ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug zu kaufen. „Es könnte befüllt werden und im Ernstfall stände dann Löschwasser für die ersten zehn bis 20 Minuten an Ort und Stelle zur Verfügung“, sagt der Wehrleiter. Man habe bereits Kontakt zur Wehr in Friedland aufgenommen, um sich dort ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug anzuschauen. Vergleichbare Fahrzeuge würden im Internet für 25.000 bis 30.000 Euro angeboten. Ob diese Idee umgesetzt wird, darüber wird die Gemeindevertretung entscheiden.
Quelle: Nordkurier, Strelitzer Zeitung vom 21.06.2025